Nachhaltiger Handel – Zusammenarbeit mit Swiss Fair Trade

Der mehrjährige Austausch von amfori Schweiz und Swiss Fair Trade fand im Anlass am 4.2. 2019 in Basel einen ersten Höhepunkt. Es trafen sich rund 90 Teilnehmende aus beiden communities: Firmen, NGOs, Fair Trade-Organisationen, Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden, Kantonen und vom Bund. Wie nachhaltig Zusammenarbeit allgemein ist, brachte Christan Ewert (Präsident amfori) mit folgendem Zitat auf den Punkt: „Wenn du schnell vorankommen willst, geh allein. Wenn du weit kommen willst, geh den Weg mit anderen zusammen.“ (Afrikanisches Sprichwort). Um Wirkung zu erzeugen, ist dies einer der wesentlichsten Ausgangpunkte und war somit auch das Hauptthema des Abends.

Die Bandbreite zeigte sich durch die diversen Perspektiven, die dem Publikum Einsicht in die Komplexität eines offenen und nachhaltigen Marktes gewähren. 
•    Jürg von Niederhäusern, Christine Zwahlen von Migros beleuchteten den Herstellungsprozess eines Kerzenständers und den Einsatz von amfori BSCI. 
•    Jörg Schmidt von der ZHAW zeigte die Resultate einer Wirkungsanalyse beim Einsatz von amfori BSCI.
•    Fabian Waldmeier (Max Havelaar) berichtete aus verschiedenen externen Wirkungsstudien zu Fairtrade und unterstrich die positiven Auswirkungen.
•    Sascha Tarli und Urs Wigger vom Kanton Bern erläuterten mit einem humorvollen Blick die nachhaltige Beschaffung des Kantons und ihre Anforderungen an Standards und Labels.  

Das Panel und Worldcafé mit den weiteren Gästen Sybil Anwander (BAFU), Beat Jans (SP) sowie Fabian Waldmeier (Max Havelaar) und Christian Ewert (Präsident amfori) zeigte, das es noch dringend Übersetzungsarbeit braucht zwischen den Behördenstellen, zwischen Unternehmen und Konsumierenden, damit nachhaltige Lieferketten sich stärker im Markt positionieren und wertgeschätzt werden

Herausforderungen und Wirkung
Migros als populärstes und nachhaltigstes Unternehmen ist einem Spannungsfeld von nationaler Grösse und begrenzter Wirkung im Weltmarkt ausgesetzt. Gleichzeitig ist der Aufwand für die Bearbeitung der Lieferketten mit über 35'000 Produkten und 900 Produzenten enorm. Um nachhaltige Wirkung zu erzielen, ist daher die Verwendung eines bekannten Systems wie amfori BSCI Pflicht, wo Produzenten gemeinsam mit anderen Wettbewerbern bewirtschaftet werden. Nicht zuletzt spart dies auch Kosten und Aufwand sowohl beim Detailhändler wie auch beim Produzenten. Die Zusammenarbeit zwischen Firma und Produzent hilft nochmals die Wirkung essentiell zu erhöhen.
Die von ZHAW initiierte die unabhängige Messung der effektiven Wirkung von BSCI versucht letztendlich das soziale Kapital einer Firma zu messen. Interessant auch hier: Effektive Zusammenarbeit von Produzent und Detailhändler erzielen signifikante Wirkung

Zusammenarbeit als gemeinsamen Nenner
In der Arbeit bei Max Havelaar wird deutlich, dass die schwächsten Glieder in der Wertschöpfungskette am effektivsten durch die Bildung eines Netzwerks und einer Gemeinschaft gestärkt werden können und so ihre Resilienz verbessert werden kann. Die Studien zeigen auch, dass höhere Verkaufserlöse, Kenntnisse der ProduzentInnen zu nachhaltigen Landwirtschaftspraktiken und eine Diversifizierung in ihrem Anbau Erfolgsfaktoren sind. 
40 Milliarden Franken fallen jährlich in der Schweiz der öffentlichen Beschaffung an, das sind rund 6% des Bruttosozialprodukts. Die öffentliche Beschaffung des Kanton Berns vertritt damit einen grossen Wirkungsradius. Der Kanton berücksichtigt z. B. die Lebenswegkosten sowie soziale und ökologische Aspekte bei Beschaffungs-Entscheiden. Entsprechende Standards sind dabei wichtig: Um relevant zu sein, müssen Standards vergleichbar, unabhängig kontrolliert und diskriminierungsfrei sein.

Bekanntheit und Einfachheit steigern als Herausforderung und Ziel
Aus dem Abend lassen sich für amfori Schweiz folgende Notwendigkeiten schlussfolgern: 
1.    Aktive Förderung von Branchenlösungen (amfori, Rohstoffschwerpunkte z.B. vom BAFU) 
2.    Internationale Beschaffungskooperationen von Firmen und Organisationen schaffen, um mit Nachhaltigkeitskriterien mehr Kaufkraft im Markt darzustellen. 
3.    Auf politischer Ebene der Nachhaltigkeit Nachdruck verschaffen (z.B. mit dem revidierten Beschaffungsgesetz BöB und mit gemeinsamen Aktivitäten von Organisationen und Unternehmen) und somit nachhaltiges Verhalten der Unternehmen auch belohnen.
4.    Partnerschaftliche Beziehungen zu den Lieferanten und Produzenten und Wirkung der Aktivitäten messen und kritisch hinterfragen
5.    Entscheidern und Konsumierenden die Wahl erleichtern: Bildung zur Wertschöpfungskette eines Produkts, wer verdient wieviel, welche Stationen ist es durchlaufen? Aber auch eine einfachere Handhabung im Verkaufsregal und die Motivation von bekannten Brands ihre Nachhaltigkeitsqualität voranzutreiben und als Botschafter zu nutzen.

Es war erfreulich zu sehen, dass der Austausch mit Swiss Fair Trade der vergangenen Jahre sich auch einem gemeinsamen positiven Spirit und einem Willen zu mehr Wirkung niederschlug. Ein weiterer Event zur Vertiefung der Themen ist auf Anfang 2020 vorgesehen. Ausserdem werden die genauen Schwerpunkte und mögliche Projekte zur weiteren Stärkung der Zusammenarbeit – sowie der gemeinsamen Wirkung – in den kommenden Monaten diskutiert.

 

Präsentationen zum Downloaden

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Kanton Bern