Kreislaufwirtschaft in der öffentlichen Beschaffung

Am 29. Oktober fand in Biel ein Beschaffungskongress zum Thema nachhaltige öffentliche Beschaffung mit Fokus Kreislaufwirtschaft, organisiert von PUSCH, statt. Das im Juni 2019 vom Parlament verabschiedete Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) schafft neue Möglichkeiten für einen sozialen, fairen und ökologischen Einkauf von Bund, Kanton und Gemeinden und gleichzeitig auch einen Weg die Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit von Unternehmen (Lieferanten) zu belohnen. Mit 40 Milliarden Franken, also rund 6 % des Bruttosozialprodukts, besitzt die öffentliche Hand einen unglaublichen Hebel, nicht nur zur Steigerung der nachhaltigen Nachfrage, sondern auch zur Unterstützung der Entwicklung von kreislauffähigen Produkten und Dienstleistungen. Aus diesem Grund sind diese Themen interessant für Unternehmen, die die öffentliche Hand beliefern (wollen). Nachfolgend finden Sie eine kurze Zusammenfassung der Kernaussagen, der aus Präsentationen und Workshops zu unterschiedlichen Branchen bestand. Hier finden Sie das Eventprogramm.

Referierende waren neben Josef Känzig, Chef der Sektion Konsum und Produkte, BAFU, auch Unternehmensvertreter*innen, welche vor allem die betriebswirtschaftlichen Vorteile – Kostensenkungen und Kundenbindung– von Kreislaufgeschäftsmodellen hervorgehoben haben. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen sollen funktionierende Kreislaufgeschäftsmodelle die vorhandenen Ressourcen effizient nutzen und somit den Bedarf an Primärrohstoffen senken, Abfälle vermeiden und die inländische Wertschöpfung erhöhen, da der Import von Rohstoffen aus dem Ausland aufgrund von vermehrten inländischen Reparatur- und Recycling-Prozessen und Einsatz von inländischen erneuerbaren Energien abnehmen würde. 

Mit 80 Millionen Abfall pro Jahr werden in der Abfallwirtschaft immer noch Nutzungsrestwerte von Komponenten (Stunden an Nutzung, die noch möglich wären) & Materialrestwerte (Materialien, die recycelt werden könnten) verbrannt oder deponiert. Aktiviert ein Hersteller diese Restwerte, indem er die Produkte zurücknimmt, repariert, recycelt und wieder in den Kreislauf bringt, können Kosten gesenkt werden und neue Wertschöpfung aus ansonsten «vernichteten» Produkten erzielt werden. Damit werden Haltbarkeit und Langlebigkeit der Produkte zum Schlüsselelement für die Kostenoptimierung, da nichtmehr der Primärverkauf als einzige Wertschöpfungstätigkeit zählt, sondern die gesamte Lebensdauer der Produkte. Dies führt unter anderem zu einer Anpassung des Produktdesigns und zu einer erweiterten Herstellerverantwortung. Im Design – auch Ökodesign genannt – muss vor allem auf die Trennbarkeit der Rohstoffe geachtet werden, damit diese wieder zurückgewonnen und neu verarbeitet werden können. Auch spielt die Markierung der Materialien oder Fasern eine grosse Rolle, an dieser Stelle könnte die Digitalisierung von grossem Nutzen sein – Stichworte QR-Code und RFID Chips. Der Schlüssel zu funktionierenden Kreislaufgeschäftsmodellen in der öffentlichen Beschaffung sind Rahmenverträge, die Entwicklungspartnerschaften und Innovationspotenzial schaffen.